Rehasport & Sporttherapie

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Rehasport & Sporttherapie 2017-05-15T11:18:23+00:00

Rehabilitationssport und Sporttherapie für chronisch Nierenkranke

Ungefähr 5  Millionen Menschen in Deutschland haben laut Deutscher Nierenstiftung eine oftmals nicht festgestellte eingeschränkte Nierenfunktion (ca. 6 % der Bevölkerung). Bei den unter 60. Jährigen  sind nach Untersuchungen von GIRNDT ( 2014) etwa 3% der Bevölkerung betroffen, bei den über 70jährigen schon 12 %. Jahr für Jahr kommt es bei 175 von einer Million Einwohnern zum dauerhaften dialysepflichtigen Versagen der Nierenfunktion. Häufigste Ursachen für das Entstehen einer chronischen Niereninsuffizienz sind die Zuckerkrankheit  und ein langjähriger Bluthochdruck.

Ungefähr einer von Tausend Bewohnern (also ca. 80 000 Menschen) wird in Deutschland mit einem Dialyseverfahren behandelt. Hiervon sind ca. 75% der Patienten älter als 60 Jahre.  20-25 000 Menschen leben mit einem funktionierenden Nierentransplantat.

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 1.550 Nieren (nach Leichennierenspende) und 645 Nieren nach einer Lebendorganspende transplantiert. Im Jahr 2015 standen 7.530 Menschen Dialysepatienten in Deutschland auf der Warteliste von Eurotransplant (Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation (2016).

Bei einem Rückgang  der Nierenfunktion auf unter 50% der Norm nimmt die  körperliche Leistungsfähigkeit spürbar ab.  Bei einem Abfall der Nierenfunktion auf unter 20% kommt es zu einem “Leistungsknick”. Bei Hämodialysepatienten sind die Kraft und Ausdauer gegenüber alters- und geschlechtsgleichen, nierengesunden Personen um bis zu 60% reduziert. Es entwickeln sich vielfach Muskelschwäche (besonders in den Beinen) und Knochenschwund. Bei normalen Alltagsaktivitäten wird die Leistungsgrenze oft erreicht, was zu Erschöpfung und zunehmender Abnahme körperlicher Aktivität führt. Besonders ältere Patienten entwickeln Symptome von Gebrechlichkeit („frailty“), wie z.B. langsame Gehgeschwindigkeit, Muskelschwäche, Erschöpfungsgefühl, geringe physische Aktivität und ungewollter Gewichtsverlust. Dies sind Risikofaktoren für eine erhöhte Mortalität und Morbidität.

In den vergangenen 30 Jahren wurden verschiedene Bewegungs- und Sportprogramme entwickelt, um die körperliche Leistungsfähigkeit  nachhaltig zu verbessern. Mit Rehabilitationssport als Gruppentraining in der Sporthalle, Wassergymnastik oder Sporttherapie während der Hämodialyse wurden auch für chronisch Nierenkranke, Dialysepatienten und Nierentransplantierte wirkungsvolle Rehabilitationssportmaßnahmen entwickelt. Für Patienten, die frühzeitig mit dem Rehabilitationstraining oder Sporttherapie beginnen und regelmäßig daran teilnehmen, konnten dabei zahlreiche positive medizinische Wirkungen  sowie eine Verbesserung der Lebensqualität nachgewiesen werden. Dies wird inzwischen wissenschaftlich gut belegt und allgemein anerkannt.

Jedoch nutzt bisher nur eine Minderheit der chronisch Nierenkranken in Deutschland die Möglichkeiten, die ihnen Bewegung, körperliche Aktivität und Sport bieten. Gerade bei den Volkskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck sind Bewegung und körperliche Aktivität anerkannte nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen, die präventiv eingesetzt werden sollten.

Hämodialysepatienten können ambulante Rehabilitationssportangebote in der Turnhalle meist nicht nutzen. Für sie ist Sporttherapie während der Hämodialysebehandlung eine gute Möglichkeit, ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Um das Zusammenwirken aller am Aufbau von Rehabilitationssportangeboten Beteiligten zu stärken, wurde 2002 die „Deutsche Gesellschaft Rehabilitationssport für chronisch Nierenkranke e.V.“ (kurz: ReNi) gegründet.

Die Anerkennung von Rehabilitationssport und Sporttherapie für Patienten während der Hämodialysebehandlung, deren  Aufnahme in die Rahmenvereinbarung Rehasport sowie der Aufbau von Sporttherapieangeboten während der Hämodialyse sind unser besonderes Anliegen. Die Aufnahme der terminalen Niereninsuffizienz in den BAR-Indikationskatalog zur ambulanten Rehabilitation mit 120 Übungseinheiten ist den kontinuierlichen Bemühungen im Gespräch mit den Verantwortlichen bei Verbänden und Krankenkassen zuzuschreiben. Die konsequente Arbeit am Thema war eine Voraussetzung dafür, dass bei der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) eine eigenständige Rehakommission eingerichtet wurde. Gelungen ist der Kommission insbesondere die Verankerung der Rehabilitation im neuen Dialysestandard 2015 der Gesellschaft.